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9.17.2008

Ein kompetenter Berater braucht kompetente Auftraggeber

Liebe Leserinnen und Leser,

wer von euch steht auf der Seite der Berater und hat schon mal mit ein Projekt erlebt, das so richtig in die Hose ging? Wer von euch ist Auftraggeber und hat das selbe erlebt? Und, wer war schuld? Was war die Ursache? Ich glaube, es braucht nicht nur kompetente Berater. Sondern vor allem kompetente Auftraggeber und Addressaten.

In der letzten Woche durfte ich mit einer lieben Kollegin den zweiten Teil einer Führungskräfte-Ausbildung leiten. Wir haben bisher schon mehrfach zusammengearbeitet, d.h. wir kennen uns schon gut. Für die Zielgruppe hatten wir ein „Standard“-Training als Grundlage, das wir aber so gut es geht je nach Zielgruppe variieren und an den Bedarf der Teilnehmer anpassen.Und soll ich euch was sagen: Der erste Baustein vor einigen Monaten lief einfach nicht wirklich gut. Die Resonanz der Themen war in der Gruppe nicht sonderlich gut, die Teilnehmer widmeten sich in den Pausen lieber ausgiebig ihrem Blackberry, die Kommunikation untereinander war etwas unterkühlt. Vielleicht kennt ihr das Gefühl, so eher nur die Hälfte der PS auf die Straße und das Seminar gebracht zu haben. Und natürlich ist dann immer die Frage, was können wir tun, wie können wir der Gruppe und den einzelnen Teilnehmer einen Mehrwert bieten. Der erste Baustein blieb bis zum Schluss mühsam, ohne echtes Highlight. Natürlich überlegten wir uns, was unser Anteil war, und was bei den Teilnehmern lag. Vor allem war uns ja klar, dass wir die Gruppe wiedersehen würden und so trafen wir uns mit gemischten Gefühlen am Vorabend im Seminarhotel.

Wir unterhielten uns lange über den Ablauf und einzelne Highlights, die wir planten, aber am Ende taten wir etwas entscheidendes: Wir gaben uns und den Teilnehmern eine Chance. Wir entschlossen uns zu einem Kontrakt mit uns selbst und zwar uns überraschen zu lassen und jede noch so geartete Kompetenz ausfindig zu machen und zu verstärken.

Der Baustein lief völlig unerwartet: Die Teilnehmer schienen auch einige Monate weiter zu sein. Jeder hatte auf seine Art eine Entwicklung durchgemacht. Sie hatten sich sogar in der Zwischenzeit getroffen bzw. ausgetauscht. Und vielleicht entscheidet dann noch die Tagesform, jedenfalls schienen sie jedes angebotene Thema zu durchdringen und zu vertiefen. Sicherlich: Der Blackberry in der Pause ist ja heute fast nicht mehr wegzudenken, die Aufnahmefähigkeit und auch die Lernfreude war komplett anders. Insgesamt führte das dazu, dass wir „in der Kraft waren“. Oder im Flow, oder wie man den Zustand beschreiben kann, in dem man höchst leistungsfähig ist und auch noch Spass an der der Arbeit hat. Die Arbeit hatte nichts schweres, sondern war eher virtuos: Das Zusammenspiel der Trainer und der Teilnehmer hatte Leichtigkeit gewonnen und war bis zum Ende für alle sehr zufriedenstellend.

Und das bringt mich auf ein wichtiges Thema: Gute Dienstleister brauchen gute Kunden! Was haben Sie beim letzten Projekt getan, damit ihre Berater Hochleistungen erbringen konnten? Wie war ihr letztes Seminar, bei dem Sie gut oder vielleicht auch nicht so gut gelernt hatten? War ihr Berater / Trainer / Coach kraftvoll? Oder war er irgendwann ausgelaugt und wenig inspirierend? Was war ihr Beitrag?

Ich plädiere für ein Aushandeln von Vereinbarungen, gerade dann, wenn es mal nicht richtig weiter geht. Weder Beraterschelte, noch einseitige Zuschreibung zu den Kunden soll hier propagiert werden, ich meine es wörtlich:

Kompetente Berater brauchen kompetente Kunden.

Und vielleicht ist es eine gute Idee, wenn Berater ihre Kunden qualifizieren, eine komplexe und interpersonelle Dienstleistung auch wirklich nehmen zu können. Dazu gehört allein schon das Thema Feedback: Es ist ja schon ein Fortschritt, wenn ein Kunde Unzufriedenheit äußern kann. Aber ist er in der Lage die Zusammenarbeit zu reflektieren und sich in eine Haltung zu begeben, in der sein Berater / Trainer / Coach wirklich für ihn zu Wirkung kommt? Oder sind da nicht manchmal Einstellungen oder Grundhaltungen am Werk, die eine gute Beraterleistung geradezu verhindern? Beispiel gefällig?

Aber gerne:

- Der Berater ist jünger als ich, was soll der schon für mich machen?

- Der Berater ist älter als ich, was hat der mir noch zu bieten?

- Der Berater bringt nicht gleich fertige Lösungen – ich will aber einen Quick Fix?

- Der Berater bringt zu viel und geht nicht wirklich in die Tiefe – ich will es halt einfach anders?

Na, war schon die eine oder andere Haltung dabei?

Haltungen können so ohne weiteres nicht verändert werden. Sie haben viel mit Reflexion und sich selbst im Spiegelbild erkennen zu tun. Deshalb ist gegenseitiges Feedback so wichtig und die Vertrauensbasis auf der Feedback ablaufen kann. Und manchmal hilft es dem Berater, wie auch dem Kunden vor der Zusammenarbeit zu prüfen, ob die Chemie stimmt. Kommentare und eigene Erfahrungen dazu sind hier willkommen...

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