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9.8.2008

„Essentials“ statt Simplifizierung

„Simplify“ ist schon mehr als eine gute Idee, es ist eine Marke. Auch in der Beratungs- und Coachingindustrie hat sich der Gedanke festgesetzt. Was ist dran an der Vereinfachung?

Letzte Woche traf sich die Peergroup für systemische Beraterinnen und Berater in München zum monatlichen Arbeitstreffen. Von den über 60 eingetragenen Mitgliedern sind üblicherweise 12-20 Personen anwesend, dieses mal waren es 14 Personen. Das Thema lautete Salutogenese. Wir alle waren fasziniert von der Perspektive und den Möglichkeiten. Dabei hat uns aber unser Referent deutlich gemacht, wie unsinnig gerade in diesem Feld die zahlreichen Vereinfachungsversuche waren, da sie die Aussagekraft deutlich verringert hatten.


Und genau das ist meine Kritik am Simplify-Trend der übermäßigen Vereinfachung, der zur Verzerrung führt. Manche Dinge und Themen sind einfach komplex (und auch ich habe ein Simplify-Buch im Bücherschrank und mag die Zeichnungen von Werner Tiki Küstenmacher). Die Hypothese klingt auf den ersten Blick verlockend: Durch Vereinfachung das Leben wieder bewältigbar zu machen. Wenn man sich damit beschäftigt erkennt man im Vereinfachungstrend viele Heuristiken. Prof. Gerd Gigerenzer definiert das so: "Als Heuristik bezeichnet man eine Methode, komplexe Probleme, die sich nicht vollständig lösen lassen, mit Hilfe einfacher Regeln und unter Zuhilfenahme nur weniger Informationen zu entwirren."


Was ist falsch daran? Nichts, wenn es um erfolgreiche Problemlösung geht – zumal Heuristiken wesentlich schneller sind als Entscheidungen aufgrund komplexer Analysen.
Und doch: Wenn man genauer hinsieht birgt das auch Gefahren, wenn Heuristiken zur blinden Gewohnheit werden und vom Nachdenken oder von eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen abhalten. Vereinfachte Muster machen es einem bequem, vor allem, wenn sie andere schon erfolgreich ausprobiert haben sollen.
Ich rate zu einem differenzierten Umgang mit der Wirklichkeit. Wie wäre es denn mit „Essentials“ oder Essenzen statt Vereinfachungen? Also die Antwort auf die Frage: „Was ist das Wesentliche an einem Konzept, einer Idee, einer komplexen Materie?“


„Was steckt dahinter?“


Vielleicht wird das Verständnis des betrachteten Gegenstandes dadurch erleichtert, die Erstellung einer Essenz ist möglicherweise deutlich schwieriger.

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