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7.1.2008

Mein erstes Coaching im Alter von 5 Jahren

Wer kennt das nicht: Im Kreise der lieben Familienmitglieder werden immer wieder gerne die selben Geschichten hervorgeholt und von neuem erzählt. Ich gebe zu, das langweilt mich manchmal. Es ist alles so vorhersehbar im Rückblick.


In diesem Fall bin ich dankbar über eine Geschichte, die meine Mutter über mich erzählte: Sie handelt von mir als einem 5 jährigen Jungen, der sich mit zwei Brüdern in der Nachbarschaft angefreundet hatte. Alex und Max waren die beiden Jungs, die beide etwas jünger waren als ich (die Namen habe ich natürlich geändert). Und meine Mutter erinnert sich ziemlich gut daran wie das alles begonnen hat: „Du hast die beiden erst einmal zu uns nach Hause eingeladen und warst stolz, ihnen deine Familie vorzustellen. Das war Dir wichtiger als sie durch das Haus zu führen oder gleich zum Spielen zu gehen. Mit Alex (damals 5 Jahre) schien alles in Ordnung zu sein. Er wirkte neugierig und fing auch gleich zu erzählen an. Mit dem dreijährigen Max war aber etwas merkwürdig: Er schien merkwürdig ruhig und brachte keinen einzigen Ton über die Lippen. Er schien verstört und irgendwie fehl am Platze. Auch nach zwei Besuchen konnte ich kein einziges Wort oder eine andere Lautäußerung von ihm hören. Wie ich von den Eltern erfahren hatte, machten Sie sich auch über die Entwicklung ihres damals jüngsten Kindes sorgen. Es hatte bis zu diesem Zeitpunkt wenig gesprochen. Und dann hast Du glaube ich dein erstes Coaching in deinem Leben durchgeführt.“


Jetzt mal eine Frage an alle, die ihren über 70 Jahre alten Eltern erklären wollen was Coaching ist: Wie macht IHR das? Ich habe das bisher immer so vermittelt, dass ich ein professionelles Gespräch führe in dem ich für meinen Coachee geeignete Lerngelegenheiten schaffe, damit er für eine gegebene Aufgabenstellung für sich neue Verhaltensweisen mitnimmt oder gar einübt. Dabei versuche ich alte Gewohnheitsmuster zu entdecken, sie bewusst zu machen und sie durch neue zu ersetzen. Mein ganzes in den letzten Jahren erlerntes Repertoire an „Techniken“ konnte ich meiner Mutter bisher nicht erklären. Sie meint dann immer: „Leute bezahlen Dir Geld, damit sie nachher etwas anders machen können als vorher und das ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.“ Naja – auch nicht schlecht, die Definition von Coaching.


Mir ist von dem „Fall Max“ von damals nur noch wenig in Erinnerung. Er war einer meiner besten Freunde in der Kindheit. Heute haben wir uns aus den Augen verloren. Ich fragte meine Mutter, was ich denn damals gemacht habe, dass aus ihrer Sicht „Coaching“ gewesen wäre. Sie meinte: „Du hast langsamer und deutlicher gesprochen. Ich habe Dir angesehen, dass Du auf Signale wartest, dass er auch verstanden hat, was Du ihm so alles erzählt hast. Erst als Du dir sicher warst, dass er dich verstanden hat, dann hast Du ihm vorgesprochen, was er sagen könnte. Dabei hast Du auf deine Lippen gezeigt. Vor allem wenn ihr zu zweit wart, hast Du ihm viel erzählt und ihn dabei immer wieder eingebunden und aufgefordert dir nachzusprechen. Innerhalb von einem halben Jahr hat Max dann sprechen gelernt“.


Auf was Mütter so alles achten. Sie hat schon vieles von dem was ich heute bewusst in Coachings anwende beobachtet und ich war beeindruckt von ihrer Schilderung. Nicht so sehr von mir, sondern davon, dass man das alles bei genauer Betrachtung so wahrnehmen konnte. Ich kann mich vor allem nur noch an eines erinnern: Ich hatte Max damals einfach sehr gerne und verbrachte am liebsten jede freie Minute mit ihm und auch mit seinem Bruder. Dass mit ihm irgend etwas nicht stimmen sollte ist mir damals nicht aufgefallen. Und was die Erwachsenen über ihn sprachen, hat mich nur wenig interessiert. Möglicherweise musste er sprechen lernen, damit er meinem frühen Redebedürfnis etwas entgegenzusetzen hatte. Ich denke zumindest das gute Zuhören habe ich über die Jahre als Coach gelernt.

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