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10.15.2008

Ver-weg-ene Hypothesen und Lösungen zweiter Ordnung

In meiner neuesten Ausbildungsgruppe für „Systemische Kompetenz in Veränderungsprozessen“ am Institut für Systemische Beratung in Wiesloch kam früh die Diskussion auf, wie man den Wert von Change Management sichtbar machen kann.


Wie wär’s denn damit: Stecke einen Euro rein und Du bekommst drei wieder raus...

Irgendwie haben es alle gewusst: Die Ziele der Zusammenlegung von zwei Standorten zu einem scheinen sich nicht realisieren zu lassen. Die vielgerühmten Synergien durch kurze Wege und die Einsparpotenziale durch eine einheitliche Infrastruktur werden von zusätzlichen Kosten für Rekruiting und Einarbeitung von neuem Personal aufgefressen. Und es kommt noch schlimmer: Die Performanz der Organisation geht nach unten, Kunden sind unzufrieden, die Reklamationsrate steigt und manche wechseln gar zum Mitbewerber.

Jetzt wäre es schön, einen Retter zu haben, der das alles ungeschehen macht. Change Management sorgt also für eine schöne neue Welt? Performanzziele erreicht und das Verhalten der Mitarbeiter ist wesentlich kundenorientierter als vorher. Nichts mehr zu spüren von dem Frust durch Umzug und Neuorientierung. Der Widerstand in der Organisation der es richtig schwer macht, neue Themen und Prozesse durchzusetzen ist verpufft und hat sich ins Gegenteil verkehrt.

Was vielleicht erst zynisch klingt (wie soll das denn funktionieren?) könnte bereits Teil der Lösung sein. Es geht ja viel mehr darum dass Lösungen für die Schwierigkeiten wieder denkbar werden. Und darin liegt auch oft der Wert von Change Management. Erst ist es in Organisationen nicht denkbar, dass irgendetwas schief gehen könnte, vielleicht war alles generalstabsmäßig geplant. Nur bei Punkt 3 des 100-Punkte Plans kommt alles ins Stocken. Dann ist es nicht denkbar, dass man jemals das Ziel erreicht und kommt schnell zu einem gegenteiligen Fokus.

Wenn dann Change Management ins Spiel kommt gelten andere Maßstäbe: Es geht vielmehr um den Fokus hin zur Lösung mit anderen Mitteln als denen, die man schon mehrfach erfolglos probiert hat. Change Management lohnt sich also, wenn ein „Mehr desselben“ praktiziert wird und Aktivitäten daher mehr kosten als sie einbringen. Und da kommt das Werkzeug der Hypothesenbildung ins Spiel. Nach unserer Lehrmeinung am ISB in Wiesloch ist sie der Königsweg in der systemischen Veränderungsberatung. Hypothesen helfen, die eingefahrenen Fahrwasser zu verlassen und sich auf neue Lösungsmuster einzulassen.

Beispiel gefällig? Bitte sehr. Hier einige Hypothesen in Fragen gekleidet:
- Hilft noch mehr Kontrolle bei der Umsetzung der Veränderungspläne?
- Ist es nicht vielmehr so, dass kontrollierte Aktivitäten am Vortag der Kontrollsitzung angegangen und als Hau-Ruck Aktionen durchgeführt werden?
- Hilft die Ampel-Methodik oder starten nicht alle auf Grün und im letzten Moment (meist nach 3 Monaten) kurz vor der erwarteten erfolgreichen Umsetzung springen 70% der Teilprojekte auf Rot, 20% auf Gelb, und der Rest ist Grün (bloss nicht hinterfragen)
- Hilft Kommunikation bei der Umsetzung? Im Sinne von beständigem Kontakt der Verantwortlichen untereinander. Kurze Wege, weniger Formalismen
- Hilft personalisierte Verantwortung weiter?

Die Liste ließe sich fortsetzen.

Und wie wird’s gemessen? Wenn Change Management so spät als Retter in der Not einspringen muss, ist ein ROI kaum mehr zu errechnen. Ich halte es da eher mit der PONI-Rechnung: Punishment of Not Invest.

Vermiedene Kosten und Eindämmung des anzunehmenden Unfalls. Dazu braucht man einen Überblick über die Bedrohung die von nicht-gemanagter Veränderung ausgeht. Und das ist damit auch das erste was es in einer guten Auftragsklärung braucht: Einen Überblick, wo Schadensbegrenzung not-wendig ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zugegeben, damit wird mit Veränderungen reaktiv umgegangen. Es wäre gut beim nächsten Projekt frühzeitig eingebunden zu sein. Dann funktionierts auch wieder mit dem ROI. Der Effekt von Change Management als Krisenverhinderung ist trotzdem durchschlagend. Nach meiner Erfahrung steckt man tatsächlich einen Euro rein und vermeidet 3-5 Euro an Kosten. Kommt natürlich drauf an, wie man’s rechnet und wie plausibel das ist. Und, ob die Erwartungen tatsächlich von außen erfüllt werden können...

Ich bin gespannt auf Resonanz zu diesem Impuls...

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