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3.16.2013

Zählen, Messen, Wiegen, über den Zaun werfen oder die Auswirkungen einseitiger Fachberatung

Wenn Organisationen beginnen sich zu optimieren, dann geschieht das meist aus einem Erkenntnisprozess heraus. Es ist interessant zu beobachten, dass die Optimierung im ersten Schritt fast immer zu kurz springt, weil meist ausschließlich Symptome kuriert werden. Auf der Ebene der Mitarbeiter bzw. der Umsetzung vor Ort entsteht dann Unmut und Frustration für das mangelnde Verständnis für die Gesamtzusammenhänge und sogenannter Widerstand. Aber was hilft?

Es ist so spannend zu sehen, dass der Mechanismus in Organisationen wirklich in 95% der Fälle immer noch nach dem selben Muster abläuft: Es wird ein Optimierungsbedarf erkannt oder erzeugt – am besten durch eine Diskussion im Top Management. Das hilft besonders, weil dort gerne auf der Basis eines ganz anderen Wissensstandes diskutiert wird: Dem gesunden Halbwissen. Bekanntlich gibt es dort dann noch politische Spiele, die sich um Anerkennung und Besitzstandswahrung drehen oder einfach nur um die Unterschrift für die Vertragsverlängerung der nächsten 5 Jahre.

Noch mehr hilft dann noch der Beistand einer „Fachberatung“ und schon ist die Problemtrance perfekt erzeugt: Aus dem Zusammenhang gerissen wird der Blick auf Erträge finanzieller Natur gerichtet, die „Fachberatung“ macht noch ein Benchmarking und man weiß, dass das nun wirklich nicht mehr weiter geht und das einzige was hilft ist ein großflächig angelegtes Ertragssteigerungsprogramm, das seinen wichtigsten Hebel meist in der „Verdummung“ der Mitarbeiterschaft sieht. Denn: Dümmere Mitarbeiter können mehr in kürzerer Zeit leisten und müssen nicht so gut bezahlt werden. Das Ganze nennt sich heute Industrialisierung statt Taylorismus und erlebt eine Renaissance ohne gleichen. Was damit erreicht wird ist die Homogenisierung von Organisationen einer ganzen Branche, die Austauschbarkeit von Leistungsträgern durch Standardisierung von Arbeit auf niedrigem Niveau und die Degradierung von Menschen zu Lasteseln die man dann schlimmstenfalls durch Performance-Measures zu etwas bringen will, was sie längst selbst nicht mehr wollen. Die Einseitigkeit hat System und je länger diese Trance anhält um so mehr verändert sich die Kultur von der Anerkennung wirklicher Leistung  zur Aberkennung von Bedürfnissen wie Wachstum, Entwicklung, Autonomie. Der Mensch wird zum Feind und Change Management ist die Antwort auf die Frage: „Wie bringen wir die Beteiligten dazu etwas zu machen, was sie nicht machen wollen?“

Puh, das ist kein schönes Szenario und kann einen wirklich belasten. Mir geht es nicht darum diese Umstände anzuprangern. Denn ich das macht die Situation auch nicht besser. Es geht darum, anzuerkennen was ist. Ja, die Situation ist so. Ja, das geschieht wirklich. Ja, auch wenn ich innerlich damit nicht einverstanden bin, so kann ich doch weiter damit umgehen.

Die Antwort auf die Frage „was hilft da?“ ist eigentlich einfach: Ein systemisch-ganzheitlicher Beratungsansatz. Leider ist das auch eine plumpe Antwort und einfach ein Statement, das für sich genommen nutzlos ist. Aus meiner Sicht eine Erkenntnis über viele Beratungsprozesse gewachsen und durch viele Erfahrungen in Organisationen, die immer wieder mit den anscheinend selben Schwierigkeiten ringen. Das Blöde an solchen Antworten ist, dass es nicht reicht es besser zu wissen. Man muss auch das Mandat bekommen es besser zu machen. Es besser zu wissen, ohne die Anschlussfähigkeit in einer Organisation herzustellen ist eben auch nicht gerade schlau. Und die Handlungsunfähigkeit z.B. von internen, systemisch ausgerichteten Beratern, die durch unbewältigten Frust entsteht hilft leider auch keiner Organisation weiter.

Eine Kernfähigkeit von systemischen Organisationsberatern ist die ausgeprägte innere Selbststeuerung gepaart mit geistig-seelischer Reife. Immer wieder wird das leider bei Stellenbesetzungen schlicht vorausgesetzt oder es wird gehofft, dass jemand in seine Schuhe schon hineinwächst. Im Eifer des Alltagsgefechts oder einer Consulting-Kultur, die sich auf das Löschen von Feuern im Sinne einer ausgeprägten Reaktionskompetenz auf Veränderungsbedarfe spezialisiert hat, gerät recht schnell die eigene Steuerungskompetenz unter die Räder, denn man wird zum Experten der auf Fremdsteuerung von Außen zu reagieren hat. Wir bieten z.B. dazu Selbsterfahrungs-Seminare an, die zum Zweck haben diese innere Fähigkeit auszubilden oder zu stärken. Weitere Informationen dazu hier:

Selbsterfahrung Person und Organisation: http://www.system-worx.de/institut/seminare/selbsterfahrung-person-und-organisation.htmlSelbsterfahrung Kompetenzen der Selbststeuerung: http://www.system-worx.de/institut/seminare/selbsterfahrung-kompetenzen-der-selbststeuerung.html

Wenn vor lauter Ambition die gute Lebens- und Berufspraxis aus den Fugen gerät dann ist Erdung wichtiger als noch höhere Karriere- oder Abteilungsziele. Aus dieser Erdung heraus ist es dann vielleicht wieder möglich mit kühlem Kopf für die Anschlussfähigkeit des eigenen Beratungsansatzes zu sorgen. Vielleicht auch eher im Sinne eines komplementären Angebots, das die momentanen Strömungen in einer Organisation sinnvoll ergänzt. Meistens kann man dem schieren Übergewicht von eingesetzten Ressourcen aus der Fachberatung schon rein zahlenmäßig nichts entgegen gesetzt werden. Da helfen nur kluge, schlanke Ansätze und ein gut gepflegtes Netzwerk an die Schlüsselstellen in die Organisation hinein. Damit wird der eigene Einsatz in der Organisation eher ein gezieltes Wirken als ein übermäßiges Abarbeiten nutzloser Tätigkeiten. In diesem Sinne wünsche ich jedem ambitionierten systemisch ausgerichteten Berater eine Zen-mäßige Gelassenheit bei gleichzeitig höchster Neugier und dem inneren Wunsch die eigene Anschlussfähigkeit in der Organisation ständig zu erhöhen. Unsere Ansätze brauchen aus meiner Sicht zur Zeit keine Verfeinerung und Forschung weil sie nicht funktionieren. Unsere Ansätze brauchen Übersetzung und kluges Marketing ohne Verflachung des Inhaltes. Willkommen im Club bei einer nicht endgültig lösbaren Aufgabe, bei der es sich trotzdem lohnt sich ihr immer wieder zu widmen

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