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28.9.2014

Die Lebensmitte als Wendepunkt

Umprogrammieren statt Resignieren

Im letzten Dezember schrieb ich über die Mitte des Lebens. Die Lebensmitte ist voll und dicht. Und was die Lebensmitte wirklich fordert, war mir da noch nicht bewusst. Ob Beruf, Familie oder Freunde: Jetzt weiß man, was man hat und man weiß, wie es geht. Und gleichzeitig ist man mit seinen eigenen Grenzen konfrontiert. Es geht nicht mehr alles. Der eigene Körper lässt es einen spüren. Die Haare gehen aus und wachsen an Stellen, an denen man es nicht für möglich gehalten hat. Mit den eigenen Kindern hält man im Sprint nicht mehr mit. Ein Glas Bier oder Wein zu viel und am nächsten Tag quält einen Kopfdröhnen. Und dann wird einem bewusst, die Zukunft wird kürzer als die Vergangenheit. Jetzt ist klar, dass die zweite Lebenshälfte nicht auf die gleiche Art zu leben ist wie die Erste. Carl Gustav Jung verglich die erste Hälfte auf der Lebensuhr mit der aufgehenden Sonne und die zweite Hälfte mit der untergehenden Sonne.

Diesen Sommer bin ich mit dem Mountainbike über die Alpen gefahren. Wir starteten bei der Zugspitze. Unser Ziel war der Gardasee. Selbsterfahrung pur. Und auch hier ist es so. Auf der einen Seite fährt man den Berg hoch. Auf der anderen Seite fährt man runter. Was mich verblüffte: Ich gestehe, bergauf war ich stets der Letzte. Bergab jedoch immer vorne mit dabei. Auch da wurde es offensichtlich: Bei bergauf und bergab sind zwei völlig verschiedene Fähigkeiten gefragt. Bergauf ist in erster Linie Muskelkraft gefragt. Bergab lassen Präsenz, Beweglichkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hohe Geschwindigkeiten zu.

In der ersten Lebenshälfte orientiert sich das eigene Verhalten an fremd oder selbst gesteckten Zielen. Mit hohem Kraftaufwand lässt sich fast jedes Ziel erreichen. In der zweiten Lebenshälfte, folgt das Tun mehr den inneren Impulsen. Es geht um die Kunst, stets mit der Lebenskraft verbunden zu bleiben. In meiner ersten Lebenshälfte habe ich viel Kraft und Ausdauer trainiert. Jetzt verbringe ich mehr und mehr Zeit mit Dehnübungen und Rückengymnastik.

Doch wie funktioniert die Umstellung? In der Lebensmitte, am Wendepunkt, steht die Sonne im Zenit. Die Südländer machen in der Mittagshitze Siesta. Der Rückzug dient dazu, der heißesten Zeit des Tages zu entfliehen und sich auf die zweite Tageshälfte vorzubereiten. Doch wie gelingt die Vorbereitung auf die zweite Lebenshälfte. Ins Bett legen und abwarten ist hier nicht die Lösung. Wer hier nicht resignieren will, dem ist Bilanzierungszeit angeraten.

  • Für was hat es sich in meinem Leben bisher gelohnt zu leben?
  • Was will ich mit dem Rest meines Lebens noch anfangen?

Die Fragen konfrontieren einen mit den noch nicht erreichten Zielen, den eigenen Überzeugungen und den liebgewonnen Gewohnheiten. Leider gibt es kein fertiges Softwareupdate für die zweite Lebenshälfte. Es gelingt nur in mühevoller Kleinarbeit, begleitet von Momenten des Verzweifelns. Neue Überzeugungen und Gewohnheiten müssen situationsspezifisch programmiert werden.  Es ist gut, einen wohlwollenden und professionellen Begleiter für diese Programmierarbeit an seiner Seite zu haben. Für mich selbst und für meine Beratungsarbeit habe ich wertvolle Impulse und Anregungen aus dem Coaching Curriculum „Berufliche Entwicklung und die Integration von Lebenswelten“ des Instituts für systemische Beratung, Wiesloch bekommen. Ich bin den wohlwollenden und wertschätzenden Menschen dankbar, die mich an meinen Wendepunkten begleiteten und von denen ich lernen durfte. Meine Coachees profitieren davon.

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