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6.12.2013

Mitten im Leben

Umgang mit Zielen

Mein Blog ruhte dieses Jahr zweimal ein Vierteljahr. Mitten im Leben kann das passieren. Seit Anfang 2012, als ich mir ernsthaft vorgenommen habe zu bloggen, ist mein Ziel, mindestens einmal im Monat einen Artikel zu schreiben. Im Jahr 2012 habe ich mein Ziel weit übertroffen. Jeden Monat habe ich mindestens ein Artikel veröffentlicht. In Summe waren es sogar 26 Artikel. Am gesetzten Ziel gemessen ist 2013 ein Misserfolg. Viele, die jetzt am Ziel festhalten, geben wenig später frustriert auf. Für mich haben gesetzte Ziele den Nutzen loszulaufen. Und dann gilt es neugierig zu bleiben, was Mitten im Leben passiert. Sich in den Fluss des Lebens begeben und bei Bedarf den Kurs korrigieren.

Mitten im Leben ist mittendrin. Ein gutes Drittel des Berufslebens liegt hinter einem. Wenn die gesammelten Erfahrungen als perfekte Vorbereitung für aktuelle Herausforderungen erlebt werden, fühlt sich das wunderbar an. Privat heißt mittendrin: Auf der einen Seite fordern einen die eigenen Kinder und auf der anderen Seite, will der Lebensabend der Eltern organisiert sein. Das fordert einen in Gänze, wenn ein Elternteil dement ist. Meine Mutter ist nicht mehr zugänglich, um mit ihr ihren letzten Lebensabschnitt zu gestalten. „Reine Zeitverschwendung. Was soll ich mir heute Gedanken über die nächsten Jahre machen, wenn ich womöglich morgen von einer Straßenbahn überfahren werde.“

Im Juli 2013 sprachen Ursula von der Leyen und Maria Furtwängler im Süddeutsche Zeitung Magazin (Nummer 28, 12. Juli 2013) über ihre demenzkranken Väter. Es ist ein langer Abschied. Von Ursula von der Leyen lässt sich lernen, sich auf die Situation einzulassen, sie hinzunehmen. „Irgendwann wird das Leben zu Ende sein. Man muss es seinen Gang gehen lassen und sich darauf konzentrieren, was noch möglich ist.“ Für Maria Furtwängler war es die innere Haltung, die ihr im Umgang mit ihrem Vater sehr geholfen hat. „Nicht mehr beobachten und bewerten, sondern beobachten was kommt, wenn ich mich öffne, und sehe, was eigentlich noch da ist. ... Ich habe plötzlich den Reichtum all dessen wahrnehmen können, was noch da ist – und es ist unendlich viel da.“

Mit diesem Blick erlebe ich die Demenz meiner Mutter als eine Art der Erleuchtung. Ihr Alltagsbewusstsein ist überschritten. Sie hat alle Ursachen des Leidens aus ihrem Geist entfernt oder verloren. In ihrer Welt erfährt sie Frieden und Glückseligkeit.

Maria Furtwängler beschreibt wie die Zeit mit ihrem Vater sie verändert hat. „Ich bin sicherlich mir gegenüber in vielen Dingen geduldiger geworden, ich muss nicht mehr so vieles machen, und ich muss schon gar nicht mehr so vieles perfekt machen.“ Das mag ich von mir auch behaupten. An der Art des Umgangs mit nicht erreichten Zielen messe ich mich. Im Rückblick auf 2013 freue ich mich über alles was gelungen ist, unabhängig der gesetzten Ziele.

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