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26.6.2012

Spitzenleistung erbringen, ohne auszubrennen

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Arzt der deutschen Fussball-Nationalmannschaft

In Unternehmen explodieren die „burn out“-Fälle. Viele Menschen teilen das innere Bild, dass eine zunehmende Arbeitsbelastung ab einem bestimmten Punkt krank macht. Seit 2010 beschäftige ich mich im Rahmen meines Lehrauftrages an der Hochschule Fresenius mit dem Thema Gesundheitspsychologie. Aus der Forschung zur Spitzenleistung ist bekannt, dass dieser lineare Zusammenhang, krank werden auf Grund zunehmender Arbeitsbelastung so nicht stimmt. Die Forschung beschäftigt sich mit Menschen, die ein enormes Arbeitspensum bewältigen, ohne aus zu brennen. Diesen Menschen gelingt es, vier Bedürfnisse auf eine ausgewogene Art zu berücksichtigen. Die vier Bedürfnisse sind Autonomie, Zugehörigkeit, Kompetenzerleben und Sinnhaftigkeit. Einer von ihnen ist Hans-Wilhelm Müller-Wolfahrt. Seit 1977 ist er Mannschaftsarzt von Bayern München, 1995 übernahm er die Betreuung der Fußball-Nationalmannschaft, 2008 eröffnete er eine mehr als 1600 Quadratmeter große Praxis im Zentrum Münchens und im August 2012 wird er 70 Jahre alt. „Wegen meiner vielen terminlichen Verpflichtungen beim FC Bayern, der Nationalmannschaft und gegenüber meinem großen bestehenden Patientenstamm schaffe ich es nicht immer, allen Terminanfragen und -wünschen gerecht zu werden... 15 Jahre lang habe ich Kassenpatienten an manchen Tagen bis Mitternacht behandelt.“ Im SZ-Interview vom 08. Juni 2012 gibt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt einen Einblick, wie ihm das bei bester Gesundheit gelingt.

Gesundheitsbewusstes Verhalten wie Schlafen, Essen und Bewegung sind für ihn selbstverständlich. „Ich kann immer gut schlafen und schnell einschlafen. Auch zehn Minuten im Taxi oder gern im Flugzeug.“ „Die ganze Familie ernährt sich gesundheitsbewusst. Das liegt in den Händen meiner Frau. Sie achtet sehr darauf, dass gesundes Essen auf den Tisch kommt.“ „Ich gehe häufig joggen. Und neuerdings Fahrradfahren.“

Er lebt sein Autonomiebedürfnis. Seine Behandlungen sind sehr aufwändig und entsprechen nicht dem „normalen Muster einer Patientenbehandlung“. Seine Absicht ist, dass nach drei Behandlungen keine weiteren Behandlungen mehr notwendig sind. Er musste  alle Vierteljahre zur Kassenärztlichen Vereinigung zum Rapport. „Man hat mich nicht verstanden.“ Er verfolgte trotzdem seinen Weg. Seine Kollegen kritisierten, dass es nicht wissenschaftlich belegt ist, was er tut. Er machte sich von der Meinung anderer nicht abhängig und vertraut weiterhin auf das, was er fühlt und vermutet, auch wenn er es nicht beweisen kann.

Er erlebt Zugehörigkeit. Trotz der geringen Zeit für seine Frau und die Kinder hat er ein „sehr, sehr gutes Verhältnis zu Ihnen“. Als die Kinder heranwuchsen hat der Familienrat wiederholt beschlossen, dass er weitermachen soll. Oder auch die jetzt schon 35 Jahre als Mannschaftsarzt bei Bayern München. „Uli (Hoeneß) hat mich angeschoben! Ich spürte: Er will mich! Er will mich behalten und mir Zeit geben mich zu entwickeln.“

Sein Kompetenzniveau führt er auf unendliches Üben zurück. Ein Niveau auf dem er laut SZ-Magazin mit den Fingern sieht, 35000 Verletzungen unterscheiden kann und schon im Moment des Foulspiels Diagnosen stellt. Sein Kompetenzerleben speist sich aus Intuition und Hingabe, Freude an dem was er tut und jeden Tag als Herausforderung erleben. Auch wenn die Rückmeldung Jahre auf sich warten lässt: „Schon in den Achtzigerjahren habe ich den Flüssigkeitsraum entdeckt ... und dieses Phänomen in meinen Vorträgen erklärt. Vor ein paar Jahren haben australische Wissenschaftler dieses Ödem entlang eines bleistiftdicken Muskelbündels erstmals bei Kernspinuntersuchungen bemerkt und meinten, sie hätten was Neues entdeckt.“

Und wer letztendlich über sich sagt: „Ich übe einen Traumberuf aus. ...Ich lebe einen Traum. ... Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich dieses Leben führen darf.“ Ich bin „für dieses Leben bestimmt“ erlebt Sinnhaftigkeit in seinem Wirken.

Wer als Führungskraft auf eine gesunde Art die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern steigern will, kann aus diesem Beispiel lernen: Seien Sie gegenüber den Bedürfnissen der Mitarbeiter aufmerksam. Wenn Sie die Bedürfnisse der Mitarbeiter nicht kennen, dann fragen Sie danach:

  • Was ist Ihnen besonders wichtig bei der Aufgabenerledigung bzw. Zielerreichung?
  • Was trägt dazu bei, dass Sie sich unserem Team/Bereich/Unternehmen zugehörig fühlen?
  • Welche Tätigkeiten machen Ihnen Freude? In welchen Arbeitsbereichen wollen Sie noch besser werden?
  • Wofür sind Sie im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit dankbar?
  • Was ist Ihr Traum von einem gelungenen Berufsleben?

Achten Sie auf das Leuchten in den Augen Ihres Gegenübers.

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