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1.10.2019

Gerechtigkeit als menschliche Kraft

Ein Jahreswechsel ist für viele eine willkommene Gelegenheit zur Reflexion. Auch ich nutze die Zeit, um nach dem letzten Quartal wieder zu mir zu kommen und mich auf die Suche nach den wesentlichen Erkenntnissen des vergangenen Jahres zu machen. Meine Reflexionsfrage an mich ist: „Was habe ich gelernt, was ist mir begegnet, das mich beeindruckt oder nachhaltig beeinflusst hat, dass es mir über das Jahr hinaus bedeutsam, wichtig und behaltenswert erscheint?“ Sehr beeindruckt hat mich ein Motiv oder ein (für mich) neues Verständnis eines Wertes, der mir bis zu diesem Zeitpunkt eher abstrakt erschien. Es geht um nichts geringeres als: Gerechtigkeit.Eigentlich ist Gerechtigkeit ja sogar per Gesetz geregelt. Über den Fall der Fälle entscheiden im Zweifel Richter. Es gibt dann noch die Rollen „Angeklagter“ und „Kläger“. Den Staatsanwalt will ich auch nicht vergessen. Die ganzen Inszenierungen existieren, damit einem Menschen Gerechtigkeit widerfährt oder ein Unrecht ausgeglichen wird. Es gibt aber noch eine andere, eine zwischenmenschliche Dimension der Gerechtigkeit.Die Kernfrage dabei ist: „Wie werden wir einander gerecht?

Ob als Ehepartner, Kollegen, Chef, Mitarbeiter, Väter, Söhne, Auftraggeber, Auftragnehmer… In all diesen Rollen geht es oft um diese Art der Gerechtigkeit. Dabei sind wir dann Kläger, Beklagte, Staatsanwälte, Verteidiger in eigener Sache. Die „Wahrheit“ liegt dort nämlich in erster Linie im Auge des Betrachters. Objektivierung erfolgt dann vielleicht noch beim besten Freund oder der besten Freundin, bei der man sich über einen anderen beklagt, der einem dann in dieser oder jener Rolle nicht gerecht wird und nach moralischem Beistand oder Beipflichten fragt. Wenn der Freund, die Freundin dann ebenfalls empört reagiert und einem Recht gibt, heißt das zwar, dass man sich im Recht fühlt, die Sache ist dann aber immer noch im höchsten Maße subjektiv.Viel zu schnell urteilen wir im Namen der Gerechtigkeit, dass andere uns nicht gerecht werden. Die Frage ist eben auch, ob ich das überhaupt will, zulasse, oder dem anderen die Chance gebe mit seinen Mitteln mir in seiner Eigen-art gerecht zu werden. Vielleicht hilft es auch, den anderen zu bitten, mir mehr gerecht zu werden oder eine Gebrauchsanleitung für die eigene Gerechtigkeit zu geben, bevor ein Urteil, eine Trennung, eine Kündigung vollzogen ist. Manchmal hat man aber auch keine Chance dem anderen gerecht zu werden.

Da helfen keine Argumente und auch keine guten Absichten. Vielleicht ist da auch der Weg einmal zu fragen: „Was brauche ich von anderen, damit sie mir mehr gerecht werden? Und wie kann ich diese Bedürfnisse so äußern, dass mir Gehör geschenkt werden kann? Und wie werden wir uns gegenseitig mehr gerecht, was kann dazu mein Beitrag sein?“ Denn vielleicht ist die erlebte Ungerechtigkeit anderer nur eine Projektion meines eigenen Ungerechtigkeitsgefühls auf mein Gegenüber. Wenn dem so wäre, dann könnte es helfen, wenn ich mir selbst mehr gerecht werden würde.Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich lohnt anderen Menschen mit Wertschätzung und da wo es passt auch mit Freundschaft zu begegnen. Vieles lässt sich unter Freunden besser besprechen, besser aushalten und auch aushandeln und manchmal lässt man einen Freund oder eine Freundin einfach auch mal gut da stehen… Einfach ohne Payback. Ja, auch das ist eine Erkenntnis aus dem Jahr 2018: Ich finde, es lohnt sich die Freundschaft zu Menschen, die einem wichtig sind zu pflegen und diese Aspekte auch in Arbeitsumgebungen einfließen zu lassen. Damit man sich wieder als Mensch begegnen kann.

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